Erfahrungsbericht über ein Lebensexperiment

Wie alles begann?
Ich wollte nicht länger verzichten – auf mein Leben, zu Gunsten von gesellschaftlich anerkannten Erfolgsbildern! Bilder wie, „erfolgreicher Geschäftsmann“, wohlhabend, einflussreich, perfekt.
Ich wollt mehr leben und weniger funktionieren.
Ich wollte ein weitestgehend selbstbestimmtes, unabhängiges Leben mit viel Zeit für die wesentlichen Dinge des Lebens.
Und ich wollte mit meinem Leben nicht zur Zerstörung der Erde beitragen bzw. durch meinen Lebensstil anderen Menschen etwas wegnehmen.

Aus diesen Überlegungen resultierte unter anderem die ownhome-Idee. Im März 2016 begannen wir mit der Umsetzung und vor zwei Wochen bin ich in das fast fertige Häuschen eingezogen.
An dieser Stelle werde ich in den nächsten Wochen von meinen Erfahrungen berichten.
Um genau zu sein müsste ich schreiben, dass ich noch am Einziehen bin, denn ich überlege täglich welche Gegenstände mir so wichtig sind, dass sie mich begleiten dürfen. Ich habe gelesen, dass in Deutschland jede/r im Durchschnitt ca. 10.000 Gegenstände sein Eigen nennt. Ziemlich vorschnell hab ich mit meiner Schwester gewettet, dass ich mit 200 Gegenständen für mein tägliches Leben auskomme. Da ich das leckere Abendessen, um dem es bei dieser Wette geht, sehr gerne gewinnen möchte, müssen sich die Objekte, die mich in Zukunft begleiten wollen schon ganz schön wichtig machen. Bis Ende des Monats wird die Entscheidung gefallen sein.
Habt ihr euch schon mal überlegt, wieviele Gegenstände ihr braucht um glücklich und zufrieden leben zu können?
Nun zu meinen ersten Erfahrungen in der kleinen Villa. In einem Satz kann ich schreiben, dass ich mich unglaublich wohl fühle. Es ist sehr hell und gemütlich. Meine liebenswerten Nachbarn sind Pflanzen und Fische. Da diese einen recht ruhigen Lebenswandel pflegen umgibt mich die meiste Zeit eine wohltuende Stille. Die perfekte Umgebung für ein gutes Buch oder zum Niederschreiben eigener Gedanken. So sitze ich jetzt hier vor meinem Laptop am Tisch und schreibe diese Zeilen. Durch die offene Tür zum Folienhaus kommt eine angenehme warme Brise und das beruhigende Geräusch plätschernden Wassers herein.
Der Umgang mit dem Wasser ist hier tatsächlich etwas ganz Besonderes. Ich dachte immer, dass ich sehr bewusst mit allem umgehe und durfe in den letzten zwei Wochen erkennen, dass ich noch einiges an Lernbedarf habe. Nach dem Frühstück wollte ich gerade das Schneidbrett mit den Krümeln vom Brotschneiden abspülen als ich mich ganz schnell anders besann. Mir kam die gute Idee, die Brotkrümel über die Terrasse den Vögeln als Futter zukommen zu lassen. Vor der guten Idee war allerdings die Überlegung, dass alle Krümel durch den Abfluss in dem Sieb im Grauwassertank landen.
Dieses muss ich dann in Zeitabständen, die von meiner Sorgfalt abhängen, reinigen. Schon kamen mit die hungirgen Vögel in den Sinn 😉)) Vom Grauwassertank pumpe ich das Wasser zwei mal täglich in die Pflanzenkläranlage. Dort sickert es dann langsam durchca. 2 Tonnen Filtersubstrat und läuft dann, gereinigt, in den 500 Liter-Brauchwasser-Tank. Sobald im Haus ein Wasserhahn geöffnet wird springt die Pumpe an und holt das Wasser aus diesem Tank, schickt es durch einen Schwebstofffilter, vorbei an der UV-Entkeimung, raus aus dem Hahn oder dem Duschkopf. Und schon beginnt das Spiel von vorne. Ein unbeschreibliches Gefühl, diese kleinen und übersichtlichen Kreisläufe direkt zu erleben: Ich öffne den Wasserhahn, dann höre ich, wie die Pumpe anspringt, versorgt durch die Elektronen, die von der Sonne in unseren Batterien gespeichert wurden und das Wasser läuft mit dem gewohnten Druck von ca. 4 bar aus dem Hahn. Egal wie lange es läuft weiß ich, dass ich kein Wasser verbrauche oder verschwende. Es läuft nicht weg – es läuft im Kreis. Wenn wir das Wasser für den Verzehr verwenden, direkt oder in Form von Tee oder Kaffee, dann wird es vorher noch durch eine Umkehrosmose-Anlage aufbereitet.
In den nächsten Tagen berichte ich von meinen Erfahrungen mit Strom und Sonne. Wünsche allen eine schöne Woche
Sonnenuntergangs-Grüße